Citizen Science Stauden
Bürger helfen bei der Erforschung des Bielefelder Stadtgebietes
Welche Insektenarten leben in Bielefeld und wie sind sie über das Stadtgebiet verbreitet? Mit solchen Fragen beschäftigen sich eigentlich Fachleute für verschiedene Insektengruppen. Im Rahmen des Projektes BieNe (www.projekt-biene.de) können sich nun auch Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer sowie interessierte Laien an der insektenkundlichen Erforschung des Bielefelder Stadtgebietes beteiligen und dabei Wissenswertes über das Insektenleben in ihrem eigenen Garten erfahren.
Das Projekt BieNe zur Förderung blütenbesuchender Insekten bietet Beratung für Gartenbesitzende, Unternehmen, Schulen, Kitas, Vereine und andere Flächeneigentümerinnen und -eigentümer an. Es stellt außerdem vielfältige Informationen zum Thema Insektenschutz bereit. In einem weiteren Projektbaustein können Interessierte nun kostenlos besonders insektenfreundliche Stauden für ihren Garten über das Projekt beziehen, wenn sie im Gegenzug die an diesen Stauden vorkommenden Insekten fotografisch erfassen und dem Projektteam zurückmelden.
Folgende fünf heimische Stauden wurden vom Projektteam ausgewählt:
Art (deutsch) | Art (wissenschaftlich) | Bestäubergruppen | Standortansprüche |
Gewöhnlicher Hornklee | Lotus corniculatus | Wildbienen, Schmetterlinge | sonnig, nährstoffreich |
Skabiosen-Flockenblume | Centaurea scabiosa | Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer | sonnig, trocken |
Echter Dost | Origanum vulgare | Wildbienen, Schmetterlinge | sonnig, trocken, nährstoffreich |
Nesselblättrige Glockenblume | Campanula trachelium | Wildbienen | halbschattig, nährstoffreich |
Gewöhnlicher Natternkopf | Echium vulgare | Wildbienen, Schmetterlinge | sonnig, trocken, nährstoffarm |
Wie melde ich meine Insektenbeobachtungen?
Für die Rückmeldung der Insektenbeobachtungen stehen Ihnen drei verschiedene Wege zur Verfügung, zwischen denen Sie frei wählen können:
- Meldung über die App ObsIdentify (1. Wahl)
Die Smartphone-App ObsIdentify ist für iOS und Android verfügbar und ist eine wertvolle Hilfe bei der Bestimmung von Tieren und Pflanzen. Die Objekte werden in der App fotografiert, und innerhalb weniger Sekunden wird ein Bestimmungsergebnis präsentiert. Die erfassten Daten werden mit dem Einverständnis der Melderinnen und Melder an die Plattform www.observation.org übermittelt und stehen dort der Öffentlichkeit und der Forschung zur Auswertung zur Verfügung. Eine einmalige Anmeldung auf der Plattform ist hierfür erforderlich.
- Meldung über die Beobachtungsplattform der Biologischen Station Kreis Paderborn – Senne (2. Wahl)
Auch die Biologische Station bietet Bürgerinnen und Bürgern die Meldung von Funddaten zu Flora und Fauna an. Suchen Sie dazu bitte die Internetseite https://bs-paderborn-senne.beobachtungsplattform.de/meldeformular auf. Dort können Sie Beobachtungen unbestimmter Insekten (und anderer Organismen) unter der Auswahl „Freie Eingabe“ melden und mit den erstellten Fotos hochladen. Die Bestimmung erfolgt anschließend über einen Experten.
- Meldung per E-Mail (3. Wahl)
Alternativ zu den favorisierten Meldewegen können Sie Fotos ihrer Insektenbeobachtungen auch per E-Mail direkt an einen Projektmitarbeiter schicken (ed.eneib-tkejorpobfsctd-2db645@ennev oder ed.eneib-tkejorpobfsctd-101fd2@ofni).
Die Ergebnisse der eingegangenen Rückmeldungen werden nach Abschluss der Auswertung zum Projektende im Sommer 2028 auf der Internetseite des Projektes BieNe (www.projekt-biene.de) veröffentlicht.
Die Projektpflanzen

Gewöhnlicher Hornklee
Lotus corniculatus
- Nützlich für: Wildbienen, Schmetterlinge
- Wuchsform: ausdauernd
- Standort: sonnig, nährstoffreich
Der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler bzw. Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und in weiten Teilen Europas verbreitet. Charakteristisch sind seine niederliegenden bis aufsteigenden Stängel sowie die gefiederten Blätter, die aus jeweils fünf Blättchen bestehen. Die direkt an der Ansatzstelle des Blattes sitzenden beiden Blättchen werden als Nebenblätter bezeichnet; sie sind bei allen Schmetterlingsblütlern zu finden (und auch bei anderen Pflanzenfamilien, wie z.B. den Rosengewächsen). Eine besondere botanische Eigenschaft aller Schmetterlingsblütler ist die Fähigkeit zur Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien, wodurch die Pflanzen auch nährstoffarme Standorte besiedeln können.
Der Gewöhnliche Hornklee bevorzugt sonnige, eher trockene bis mäßig feuchte Standorte und ist häufig auf mageren Wiesen, an Wegrändern, Böschungen und in Trockenrasen zu finden. Er gilt als wichtige Art des extensiv genutzten Grünlandes und trägt zur Bodenverbesserung bei, da er Luftstickstoff im Boden anreichert und somit die Bodenfruchtbarkeit erhöht.
Die Blüten erscheinen meist zwischen Mai und September in kleinen doldigen Blütenständen. Sie sind leuchtend gelb gefärbt und zeigen oft rötliche Streifen oder Verfärbungen im Alter. Typisch für Schmetterlingsblütler ist der komplexe Aufbau der Kronblätter aus Fahne, Flügeln und Schiffchen. Die Blütenbiologie ist auf Fremdbestäubung ausgelegt: Beim Insekten-Besuch wird durch Druck auf die Flügel das Schiffchen geöffnet, wodurch Staubblätter und Griffel freigelegt werden und der Pollen übertragen werden kann.
Zu den wichtigsten Blütenbesuchern zählen verschiedene Wildbienenarten, Hummeln und Schmetterlinge. Besonders Hummeln sind effektive Bestäuber, da sie durch ihr Gewicht den notwendigen Mechanismus zur Pollenfreisetzung auslösen. Auch einige Käfer und Fliegen besuchen die Blüten, spielen jedoch eine geringere Rolle bei der Bestäubung.

Skabiosen-Flockenblume
Centaurea scabiosa
- Nützlich für: Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Käfer
- Wuchsform: ausdauernd
- Standort: sonnig, trocken
Die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und zählt zu den charakteristischen Arten artenreicher, extensiv genutzter Wiesen. Sie erreicht Wuchshöhen von etwa 50 bis 120 cm und bildet aufrechte, oft verzweigte Stängel. Die wechselständig angeordneten Blätter sind tief fiederspaltig und verleihen der Pflanze ein filigranes Erscheinungsbild. Auffällig ist zudem die kräftige Pfahlwurzel, mit der die Art auch trockene Perioden gut überstehen kann.
Die Skabiosen-Flockenblume bevorzugt sonnige, warme Standorte mit eher trockenen bis frischen, kalkreichen und nährstoffarmen Böden. Sie ist typisch für Magerrasen, Halbtrockenrasen, Böschungen und extensive Wiesenflächen. Als konkurrenzschwache Art profitiert sie von einer extensiven Nutzung ohne intensive Düngung und häufige Mahd.
Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Die großen, purpurvioletten Blütenköpfe stehen einzeln an den Stängelenden und erinnern in ihrer Form an Skabiosen, was zur Namensgebung beigetragen hat. Wie für Korbblütler typisch, handelt es sich nicht um Einzelblüten, sondern um einen Blütenstand aus zahlreichen Röhrenblüten. Die äußeren Blüten sind steril, oft vergrößert und dienen als Schauapparat, während die inneren fertilen Blüten die Fortpflanzung übernehmen. Die Blütenbiologie ist auf Fremdbestäubung ausgelegt; die Blüten bieten reichlich Nektar und Pollen und sind durch ihre offene Struktur gut zugänglich.
Die Skabiosen-Flockenblume ist eine ausgesprochen wichtige Nektarquelle für eine Vielzahl von Insekten. Besonders häufig werden die Blüten von Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und Schwebfliegen besucht. Auch Tagfalter wie Bläulinge und Edelfalter profitieren vom kontinuierlichen Nektarangebot.

Echter Dost
Origanum vulgare
- Nützlich für: Wildbienen, Schmetterlinge
- Wuchsform: ausdauernd
- Standort: sonnig, trocken, nährstoffreich
Der Echte Dost, auch als Oregano oder Wilder Majoran bezeichnet, ist eine Staude, deren untere Teile verholzen können. Er blüht erst im Spätsommer. Dann sind die zahlreichen fleischfarbenen Blüten in den köpfchenförmigen Blütenständen sehr auffällig und werden von zahlreichen Insekten besucht. Über 50 verschiedene Schmetterlings-Arten und 30 Wildbienen-Arten wurden auf dem Dost schon beobachtet. Aber auch Honigbienen werden von dem sehr zuckerreichen und reichlich vorhandenem Nektar angelockt. Der Echte Dost gilt als Bienentrachtpflanze, also als eine wichtige Nahrungspflanze, die viel Nektar und Pollen produziert.
Der Echte Dost ist nicht nur in ganz Deutschland, sondern in fast ganz Europa und in großen Teilen Nordasiens verbreitet. Er liebt warme Gebiete und kommt an Wegrändern, in Magerrasen und an sonnigen Wald- und Gebüschrändern vor. Er ist vor allem in den Kalkgebieten verbreitet.
Oregano ist eine Gewürzpflanze und ist in letzter Zeit vor allem als Pizzagewürz bekannt geworden. Es gibt zahlreiche Sorten, die sich unter anderem durch den unterschiedlichen Gehalt an ätherischen Ölen unterscheiden. Dost aus Süditalien ist ganz besonders würzkräftig und wurde von dort als Gewürz zusammen mit der Pizza über die ganze Welt verbreitet – eine richtige Pizza muss einfach mit Oregano gewürzt werden.
Oregano ist eine sehr wertvolle Insektenpflanze und sollte in keinem Garten und auf keinem Balkon fehlen. Schließlich dient er nicht nur unseren heimischen Insekten als Nahrungspflanze, sondern kann zu vielen typisch italienischen oder spanischen Gerichten als Gewürz verwendet werden.

Nesselblättrige Glockenblume
Campanula trachelium
- Nützlich für: Wildbienen
- Wuchsform: ausdauernd
- Standort: halb-schattig, nährstoffreich
Die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) und zählt zu den auffälligeren Arten halbschattiger bis schattiger Standorte. Sie erreicht Wuchshöhen von etwa 30 bis 100 cm und besitzt aufrechte, kantige Stängel, die meist rau behaart sind. Ihren deutschen Namen verdankt sie den grob gesägten, eiförmigen Blättern, die in ihrer Form an Brennnesseln erinnern. Botanisch bemerkenswert ist der Milchsaft, der bei Verletzung austritt – ein typisches Merkmal vieler Glockenblumengewächse.
Die Art bevorzugt nährstoffreiche, frische bis mäßig feuchte Böden und ist vor allem in lichten Laubwäldern, an Waldrändern, in Gebüschen sowie auf schattigen Böschungen anzutreffen. Sie gilt als Halbschattenpflanze und meidet sowohl stark trockene als auch sehr sonnige Standorte. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit kann sie auch in extensiv genutzten Gärten oder naturnahen Parkanlagen gedeihen.
Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August. Die auffälligen, glockenförmigen Blüten sind meist violettblau, seltener weiß gefärbt, und stehen einzeln oder in lockeren Trauben in den Achseln der oberen Blätter. Die Blütenbiologie zeigt eine interessante Anpassung: Wie bei vielen Glockenblumen ist auch die Nesselblättrige Glockenblume vormännlich (proterandrisch), d.h. zunächst reifen die Staubblätter und geben Pollen ab, bevor die Narbe empfängnisbereit wird. Dies fördert die Fremdbestäubung und reduziert Selbstbestäubung. Der Griffel trägt während der männlichen Phase den Pollen nach außen, bevor sich später die Narbenäste entfalten.
Zu den wichtigsten Blütenbesuchern gehören verschiedene Wildbienen, insbesondere Hummeln, die aufgrund ihrer Größe und Kraft gut in die relativ engen Blüten eindringen können. Auch Schmetterlinge und gelegentlich Schwebfliegen nutzen das Nektarangebot.

Gewöhnlicher Natternkopf
Echium vulgare
- Nützlich für: Wildbienen, Schmetterlinge
- Wuchsform: zweijährig
- Standort: sonnig, trocken nährstoffarm
Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) ist eine zweijährige, krautige Pflanze aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) und zeichnet sich durch seine auffällige Erscheinung sowie seine hohe ökologische Bedeutung aus. Im ersten Jahr wird nur eine Blattrosette gebildet, im zweiten Jahr entwickelt sich ein aufrechter, meist unverzweigter Blütenstand, der Wuchshöhen von bis zu einem Meter erreichen kann. Charakteristisch sind die steif behaarten, lanzettlichen Blätter sowie die borstigen Stängel, die der Pflanze ein raues Erscheinungsbild verleihen. Die Behaarung dient unter anderem als Schutz vor Fressfeinden und reduziert die Verdunstung.
Der Gewöhnliche Natternkopf bevorzugt sonnige, trockene und nährstoffarme Standorte. Typisch sind Vorkommen auf Ruderalflächen, Schotterplätzen, Bahndämmen, Straßenrändern und Trockenrasen. Die Art ist ein Pionierbesiedler und kommt gut mit gestörten Böden zurecht. Ihre tiefe Pfahlwurzel ermöglicht es ihr, auch in verdichteten oder steinigen Substraten Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen.
Die Blüten erscheinen zwischen Mai und Oktober in dichten, wie aufgewickelt erscheinenden Blütenständen (Wickeln), die sich im Verlauf der Blütezeit strecken. Die zunächst rosafarbenen Knospen verfärben sich beim Aufblühen intensiv blau, was auf einen Wechsel des pH-Wertes im Zellsaft zurückzuführen ist. Auffällig sind die weit herausragenden Staubblätter und der Griffel, die den Blüten ein „stacheliges“ Aussehen verleihen. Die Blüten sind vormännlich (proterandrisch), wodurch die Fremdbestäubung gefördert wird.
Der Gewöhnliche Natternkopf gilt als eine der nektarreichsten heimischen Pflanzenarten und ist daher besonders attraktiv für Blütenbesucher. Zahlreiche Wildbienenarten, darunter spezialisierte Arten wie die Natternkopf-Mauerbiene, nutzen ihn als wichtige Nahrungsquelle. Auch Hummeln, Honigbienen und Schmetterlinge besuchen die Blüten regelmäßig.